Anmelden

Top-Thema:  

Gesundheitswesen 4.0

Top-Thema:  

Gesundheitswesen 4.0

Top-Thema:

Die neue Realität

Ärzte- und Pflegepersonal, das in Ganzkörperanzügen über die Krankenhausflure hetzt, Überstunden auf den Intensivstationen schiebt und sich am Rande der Belastungsgrenze von Doppelschicht zu Doppelschicht hangelt: Fernsehbilder wie diese gingen zum Ausbruch der Corona-Pandemie um die Welt – und tun es mit dem rasanten Wiederanstieg der Infektionszahlen allmählich wieder. Während die Auslastung von Intensivbetten und Beatmungsgeräten in den Krankenhäusern erneut zunimmt, sind Apotheker und niedergelassene Ärzte weiterhin stark gefordert. Erstere hatten wegen der hohen Nachfrage und Engpässen ihrer Lieferanten gerade im März und April Mühe, einen Bestand an Mund-Nase-Bedeckungen, Desinfektionsmitteln und Einweg-Handschuhen vorzuhalten. In Arztpraxen wiederum schlugen zum selben Zeitpunkt immer mehr Menschen auf, um sich auf das Virus testen zu lassen. Telefonische Krankschreibungen, eine Begrenzung der Patienten im Wartezimmer und ein eigenes Klingelsystem mit separatem Einlass von Patienten mit Erkältungssymptomen waren die Folge. Eine Entwicklung, die mit Blick auf die gegenwärtige Situation wieder in greifbare Nähe rückt.   

 Aus der Not eine Tugend gemacht

Trotz der zu Herbstbeginn wieder anziehenden Infektionszahlen haben Ärzte und Apotheker Mittel und Wege gefunden, mit dieser neuen Realität umzugehen. Zwei Kölner Heilberufler haben uns verraten, wie sie die neue Realität in Corona-Zeiten erleben und mit welchen Maßnahmen sie sich dafür gewappnet haben.

"Wir werden vieles für die Zukunft übernehmen."


Dr. Tim Knoop, Allgemeinmediziner aus Köln

Das Team um den Kölner Hausarzt Dr. Tim Knoop hat anstrengende Monate hinter sich. Den ganzen Tag bis in die Abendstunden durcharbeiten und in der Nacht nicht in den Schlaf finden – ein Teufelskreis, der Knoop lange Zeit begleitete. "Gerade die Wochen nach dem Ausbruch der Pandemie waren sehr anstrengend", erzählt der Mediziner, "vor allem weil wir unsere Praxis der neuen Situation anpassen mussten – das hat so einige Umbauarbeiten erfordert." Will heißen: Wartezimmer und Behandlungsräume, in denen zuvor alle Patienten Platz fanden, mussten für die Steuerung der infektiösen und nicht-infektiösen Patientenströme voneinander getrennt werden. "Wir haben unsere Praxis in zwei Bereiche unterteilt", erklärt Knoop, "zum einen den sicheren Bereich, in dem wir die infekt-freien Patienten nach vorheriger Anmeldung und der Versicherung, frei von Erkältungssymptomen zu sein, behandeln. Zum anderen haben wir eine räumlich getrennte Infekt-Sprechstunde eingerichtet, während derer wir uns um die Patienten mit Covid19-, Grippe- und anderen Symptomen kümmern. Dieser Bereich ist nur durch eine Schleuse zu erreichen, in der wir die entsprechende Schutzkleidung anlegen, um uns und die nicht-infizierten Patienten vor einer Ansteckung zu schützen."

 Platzhalter Bilder
abgetrennte Bereiche Praxis (angefragt)

Die Einstellung zur Trennung der Patienten sei durch Corona zudem eine ganz andere geworden – ein Thema, das Knoop auch für die Zeit danach für zukunftsweisend hält.

"Wenn man ehrlich ist, hätte diese strikte Trennung der Patienten schon immer vorgenommen werden müssen – sei es eine räumliche, wenn es die Größe der Praxis zulässt, oder eine zeitliche. Dieser neue Umgang mit Infekt- und Nicht-Infekt-Patienten wird auch nach Corona Bestand haben."


Ähnlich wegweisend sieht der Kölner die Zukunft alternativer Kommunikationswege in der Arzt-Patienten-Beziehung. "Wir haben schon vor Corona einige Vorbereitungen für eine Video-Sprechstunde getroffen. Deshalb konnten wir das System schnell an den Start bringen, was sich gerade während der Hochzeit des Lockdowns ausgezahlt hat: Wir haben innerhalb eines Monats einige hundert Videosprechstunden geführt. Das hat sich auch im Anschluss so fortgesetzt – und wir sind sehr froh darüber", verrät Knoop. Der Mediziner ist trotz unterschiedlicher Auffassungen innerhalb des Heilberufe-Sektors von der Videosprechstunde überzeugt, lägen die Vorteile für Patient und Arzt doch auf der Hand. "Die Gespräche sind viel persönlicher als hier bei uns in der Praxis, da die Patienten zuhause sind, wo sie sich wohl und sicher fühlen – es ähnelt fast einem Hausbesuch", erläutert Knoop. "Auch über das Kamerabild kann ich mit Hilfe der Anamnese eine gute erste Einschätzung abgeben und den Patienten im Zweifelsfall dennoch bitten, für eine körperliche
Untersuchung in die Praxis zu kommen. Der große Vorteil der Videosprechstunde ist, dass sich Arzt und Patient vor der gegenseitigen Ansteckungsgefahr schützen. Ich persönlich fühle mich mit Blick auf das Infektionsgeschehen damit sicherer, als wenn mir jemand persönlich gegenübersitzt."

Über einen Code können die Patienten ein halbes Jahr lang virtuell zum Arzt gehen. Wartezeiten können dabei zwar wie in einer Praxis entstehen, doch lassen sich diese zuhause sehr viel besser überbrücken. "Der nächste Entwicklungsschritt wäre die Einrichtung einer Chat-Möglichkeit, über die sich Patienten live mit ihren Fragen an uns wenden können", wirft Knoop einen Blick voraus, " so weit sind wir allerdings noch nicht."  

Zusätzlich hat das Team vor kurzem eine Sprechstunde nach Terminvereinbarung ins Leben gerufen, für die sich Patienten über ein Online-Buchungssystem selber eintragen können. Den ersten Erfolg konnte es damit bereits verbuchen: Trotz eines höheren Patientenaufkommens im Vergleich zum Vorjahr ist das Wartezimmer sehr übersichtlich besetzt – eine Entwicklung, die gerade in Corona-Zeiten von Vorteil ist.  

"Neben dem Schutz von unseren Patienten und uns mussten wir auch die finanzielle Lage der Praxis im Auge behalten – gut beraten ist da, wer einen zuverlässigen Finanzpartner an seiner Seite hat."  

Die vielen Umbaumaßnahmen und die Anschaffung von Schutzmaterialien, die gerade zu Beginn der Pandemie zu sehr hohen Preisen verkauft wurden, setzten die Praxis finanziell unter Druck. Hinzu kam, dass ab Mitte März die Patienten ausblieben – gerade durch den Wegfall der Privatversicherten kam es zu Umsatzeinbußen. "All das hat sich auf unsere Liquidität ausgewirkt", erinnert sich Knoop, "unsere Sparkasse hat uns aber sofort signalisiert, dass sie uns nach Kräften unterstützen wird – und so war es auch. Das hat uns eine enorme Last von den Schultern genommen."   

"Der Ausbruch der Pandemie hat gezeigt, dass die Apotheke vor Ort unersetzbar ist."


Dirk Vongehr, Apotheker aus Köln

Dirk Vongehr, Inhaber der ältesten Apotheke Kölns, bestätigt die Schilderungen Knoops: 12 Stunden durchzuarbeiten, zu Beginn selbst an Sonntagen zu öffnen und den vielen verunsicherten Kunden als kompetenter Ansprechpartner zur Seite zu stehen – das Team der Paradies-Apotheke stand die letzten Wochen und Monate unter Dauerstrom. Ob Erarbeitung eines Notfall-Konzepts, Anbringung von Schutzgläsern oder enger Austausch mit Gesundheitsämtern, Kammern und Ärzten in der Umgebung – Vongehr und seine Mitarbeiter haben sich schnell auf die neue Realität einstellen müssen – mit Erfolg. "Das dauerhafte Tragen der Maske – selbst hinter den Schutzgläsern -, ist uns schnell in Fleisch und Blut übergegangen", erzählt der Apotheker, "das ganze Team musste gemeinsam Entscheidungen treffen und an einem Strang ziehen. So haben wir uns beispielsweise zusammen darauf verständigt, unsere Öffnungszeiten eher zu verlängern als zu verkürzen, um für unsere Kunden in dieser schwierigen Zeit noch umfänglicher da zu sein." Ein Zwei-Schichten-System war dabei der Schlüssel, um das Ansteckungsrisiko untereinander zu vermeiden. Während die eine Hälfte des Teams von Montag bis Mittwoch in der Zeit von 8 bis 20 Uhr im Dienst war, übernahm die andere die gleiche Schicht von Donnerstag bis Samstag.   

Die Resonanz auf die verlängerten Öffnungszeiten fiel überwältigend positiv aus. Kein Wunder, waren viele Kunden der Paradies-Apotheke in der belebten Severinsstraße doch verunsichert, wie sie sich am besten vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen konnten. Gerade zu Beginn der Pandemie, als noch wenig über den unsichtbaren Widersacher namens Corona-Virus bekannt war, war daher die Kompetenz von Vongehr und seinem Team ganz besonders gefordert – eine Entwicklung, der der Apotheker sogar etwas Positives abgewinnen kann: "Unsere Beratungsleistung war mit einem Mal deutlich stärker gefragt als je zuvor. Anstatt gegen Vorlage eines Rezepts ein Medikament herauszugeben und den Kunden zu verabschieden, wurde unsere fachliche Expertise so richtig gefordert", erinnert sich der Kölner. "Da das Virus gerade in März und April noch wenig erforscht war und von vielen Fragezeichen begleitet wurde, mussten wir teilweise sehr viel recherchieren, um unseren Kunden ihre Fragen beantworten und ihnen weiterhelfen zu können. Aller Begleitumstände zum Trotz hat uns das doch ein wirklich gutes Gefühl gegeben und macht uns stolz darauf, eine so wichtige Anlaufstelle für unser Veedel zu sein."

Aktuell dürfen sich nur drei Kunden in der Apotheke aufhalten. Damit deren Aufenthaltsdauer so gering wie möglich ist, weisen Vongehr und sein Team auch verstärkt auf die Möglichkeit hin, Medikamente per App vorzubestellen. "Über die LindaApotheken-App können die Kunden ihre Bestellungen entweder in unsere Apotheke oder bestenfalls gleich zu sich nach Hause liefern lassen, um so wenig Kontakte wie möglich zu haben", weiß der Kölner. "Die Medikamente werden innerhalb von zwei Stunden zugestellt."  

"Wir freuen uns, dass unser Rat in der Pandemie umso mehr gefragt ist und das Ansehen der Apotheken dadurch bundesweit zugenommen hat. Allerdings liegen wir mit unserem Standort in der Severinsstraße mitten auf einer Einkaufsmeile und müssen die Situation in unserer Umgebung für die Sicherheit unserer Kunden und uns stets im Blick behalten." 

Dirk Vongehr, Apotheker aus Köln

Um auch in Zukunft für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, testet das Kölner Apothekenteam aktuell die Erfolgsaussichten des E-Rezepts, also einem online statt beleghaft ausgestellten Rezept, das per Botendienst direkt nach Hause geliefert wird. Außerdem setzen die Pharmazeuten um Vongehr verstärkt auf die Nutzung von bargeldlosen Zahlungen der Kunden, um das Ansteckungsrisiko weiter zu minimieren. "Erst im April hat die Tagesschau getitelt, dass die Apotheker besonders vorausschauend auf die Krise reagiert haben", erinnert sich Vongehr, "ich denke, dass wir diese Vorreiterrolle auch weit über die Medikamentenversorgung hinaus einnehmen können. Denn: Die Impfquote in Deutschland ist viel zu gering. Warum sollten wir Apotheker nicht dabei unterstützen, diesen Missstand durch Impfungen in unseren Apotheken zu verbessern? Da könnten wir eine große Rolle spielen!"   

Die weiteren Themen:

 Cookie Branding
Schließen

 

Wir, als Ihre Sparkasse, verwenden Cookies, um Ihnen die Funktionen auf unserer Website optimal zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus verwenden wir Cookies, die lediglich zu Statistikzwecken, zur Reichweitenmessung oder zur Anzeige personalisierter Inhalte genutzt werden. Detaillierte Informationen über Art, Herkunft und Zweck dieser Cookies finden Sie in unserer Erklärung zum Datenschutz. Durch Klick auf „Einstellungen anpassen“ können Sie bestimmen, welche Cookies wir auf Grundlage Ihrer Einwilligung verwenden dürfen. Sie haben außerdem die Möglichkeit, dem Einsatz von Cookies, die nicht Ihrer Einwilligung bedürfen, zu widersprechen. Durch Klick auf “Zustimmen“ willigen Sie der Verwendung aller auf dieser Website einsetzbaren Cookies ein. Ihre Einwilligung ist freiwillig. Sie können diese jederzeit in "Erklärung zum Datenschutz" widerrufen oder dort Ihre Cookie-Einstellungen ändern.

 

i