- Institut hat seine 200-jährige Geschichte erstmals wissenschaftlich aufarbeiten lassen
- Externe Begleitung durch prominent besetztes Beratungsgremium
- Kritische Analyse und Auseinandersetzung mit der Rolle ihrer Vorgängerinstitute im Nationalsozialismus
Die Sparkasse KölnBonn hat am Donnerstagabend zwei Bücher zu ihrer 200-jährigen Geschichte vorgestellt: "Geld für alle" von Dr. habil. Jörg Lichter und "Alle sparen mit" von Eliana Berger. Die Neuerscheinungen bieten erstmals eine umfassende, wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte und zeichnen zugleich ein lebendiges Panorama von Menschen, Ideen und Umbrüchen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Historie ist zentraler Bestandteil des Jubiläumsjahres.
Unabhängige Aufarbeitung
Die Sparkasse KölnBonn hat den Greven Verlag mit der Umsetzung der beiden Buchprojekte beauftragt. Bei der Konzeptentwicklung, Recherche, anschließenden Bewertung und Aufbereitung hat sie den Autoren und dem Verlag freie Hand gelassen – einschließlich schwieriger und belastender Kapitel wie der Verantwortung der Vorgängerinstitute im Nationalsozialismus.
Ulrich Voigt, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse KölnBonn, betonte den Anspruch des Instituts beim Umgang mit seiner eigenen Geschichte: "Unser Markenversprechen 'Füreinander Hier' heißt für uns auch, ehrlich mit der eigenen Vergangenheit umzugehen. Transparenz und Offenheit gehören zu unserem Verständnis von Verantwortung. Das gelingt nur, wenn historische Forschung frei und ohne Einflussnahme stattfinden kann." Moderiert wurde die Veranstaltung im KOMED-Saal im Kölner MediaPark von Dr. Helge Matthiesen, dem Chefredakteur des General-Anzeiger Bonn.
Mehr als ein Kapitel: 200 Jahre Sparkassengeschichte
Beide Bücher zeichnen die Entwicklung der Sparkasse KölnBonn und ihrer Vorgängerinstitute von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert als Einrichtungen der sozialen Vorsorge über Industrialisierung, Weltkriege, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder bis hin zu Strukturwandel, Digitalisierung und aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen nach.
Dabei wird deutlich, wie sich der öffentliche Auftrag der Sparkassen, ihr Verhältnis zu den Städten, Kommunen und der Kundschaft sowie ihre Rolle als regional verankerte Finanzinstitute über zwei Jahrhunderte hinweg verändert und zugleich bewährt haben. Ebenso zeigt sich, wie eng ihre Entwicklung auch mit den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umbrüchen Deutschlands verknüpft ist: Über Generationen hinweg spiegelten sich gesellschaftlicher Wandel, Wohlstand und Krisen gleichermaßen in den Sparkassenbilanzen wie im regionalen Wirken der Institute. Heute ist die Sparkasse KölnBonn die drittgrößte Sparkasse in Deutschland.
"Ich danke dem Greven Verlag, den beiden Autoren und dem Beratungsgremium für die intensive und verantwortungsvolle Arbeit. Die Bücher zeigen, wie wichtig unabhängige Forschung für eine glaubwürdige Aufarbeitung ist. Wir sind dankbar für diese Bücher, auch weil die Auseinandersetzung mit der Geschichte uns als Institut die Chance gibt, die Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten", sagte Voigt.
Zwei Zugänge zur Geschichte
Mit "Geld für alle – 200 Jahre Sparkasse KölnBonn" stellte Dr. habil. Jörg Lichter, Historiker und Senior Director Research des Handelsblatt Research Institute, die erste umfassende wissenschaftliche Unternehmensgeschichte der Sparkasse KölnBonn und ihrer Vorgängerinstitute vor. Das Buch ordnet die Entwicklung in wirtschafts‑, sozial‑ und zeitgeschichtliche Zusammenhänge ein, von den Anfängen im 19. Jahrhundert über Industrialisierung, Weltkriege und Währungsreformen bis in die Gegenwart.
"Mein Auftrag als Historiker war von Anfang an klar: die Geschichte der Sparkasse KölnBonn und ihrer Vorgängerinstitute historisch einzuordnen. Dazu gehörten auch die kritische Analyse und Auseinandersetzung mit ihrer Rolle im Nationalsozialismus. Dass ich in dieser Zeit auf unbequeme Informationen stoßen würde, war der Sparkasse KölnBonn klar", sagte Dr. habil. Jörg Lichter. Das Institut habe diese Forschung umfassend unterstützt, uneingeschränkten Zugang zu ihren Archiven ermöglicht und Kontakt zum NS-Dokumentationszentrum Köln sowie zur Gedenkstätte Bonn vermittelt, die beide bei der Beschaffung von Informationen über die Opfer der NS-Zeit einen wesentlichen Beitrag leisteten.
Einen zweiten, bewusst ergänzenden Zugang wählte Eliana Berger, freie Journalistin und Autorin, bei ihrem Buch "Alle sparen mit – 200 Jahre Sparkasse KölnBonn". Darin erzählt sie die Geschichte der Sparkasse anhand von Menschen, Bildern und biografischen Momenten. Fotografien, zeitgenössische Quellen und konkrete Einblicke in den Alltag zeigen, wie stark Institutsgeschichte und Stadt‑ sowie Gesellschaftsgeschichte miteinander verwoben sind.
"Geschichte wird greifbar, wenn man persönlich über Menschen und ihre konkreten Erfahrungen erzählt. Mein Buch zeigt, wie eng die Entwicklung der Sparkasse KölnBonn mit dem Alltag und den Umbrüchen in Köln und Bonn verbunden war – mit Licht und Schattenseiten. Diese Perspektive offen zu zeigen, war mir wichtig", so Berger.
Kritische Auseinandersetzung und externe Begleitung
Ein besonders sensibles Kapitel betrifft die Zeit des Nationalsozialismus. Beide Bücher legen offen, wie die damaligen Institute als kommunale Einrichtungen in das NS‑Unrechtsregime eingebunden waren, etwa durch die Umsetzung diskriminierender Maßnahmen, Vermögensentziehungen und die Mitwirkung an der wirtschaftlichen Entrechtung jüdischer Bürgerinnen und Bürger. Grundlage der Arbeiten ist eine intensive Recherche in den eigens hierfür neu verzeichneten Beständen des Historischen Archivs der Sparkasse KölnBonn. Wesentliche Informationen stammen auch aus dem Landesarchiv NRW und dem Bundesarchiv.
Verlagsgeschäftsführer Dr. Damian van Melis betont: "Als Verlag sehen wir es als unsere Aufgabe, historische Forschung in einer Form zugänglich zu machen, die zugleich wissenschaftlich fundiert, öffentlich verständlich und damit für alle zugänglich ist. Unsere Bücher sind deshalb auch mehr als Jubiläumsschriften – sie sind ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte, zur Regionalgeschichte und zur Geschichte des deutschen Mittelstands. Denn Geschichte verpflichtet gerade dort, wo sie schwierig ist."
Begleitet wurde die historische Aufarbeitung durch ein unabhängiges Beratungsgremium mit ausgewiesener fachlicher Expertise. Dem Gremium gehörten an:
- Dr. Henning Borggräfe, Direktor des NS‑Dokumentationszentrums der Stadt Köln
- Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Richter am Bundesverfassungsgericht a. D., Professor für Öffentliches Recht an der Universität Bonn
- Dr. Ralph Elster, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse KölnBonn
- Angelika Esch, Mitglied des Verwaltungsrats der Sparkasse KölnBonn
- Bettina Levy, Vorstandsmitglied der Synagogen‑Gemeinde Köln
- Dr. Ulrich Soénius, Direktor der Stiftung Rheinisch‑Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln
- Dr. Thorsten Wehber, Leiter des Sparkassenhistorischen Dokumentationszentrums des Deutschen Sparkassen‑ und Giroverbands
Geschichte als Auftrag für die Gegenwart
Stellvertretend für das Gremium ordnete Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio die Bedeutung der beiden Bücher ein: "Institutionen mit öffentlicher Verantwortung müssen sich ihrer Geschichte stellen – vollständig und ohne Relativierung. Eine glaubwürdige Aufarbeitung ist kein Akt der Selbstanklage, sondern eine Voraussetzung für Verantwortung. Wer Verantwortung trägt, darf sich der Vergangenheit nicht entziehen. Auch dann nicht, wenn sie unbequem ist. Die hier vorgelegten Bücher leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie machen deutlich, dass die Sparkasse KölnBonn die historische Aufarbeitung nicht als abgeschlossenen Akt versteht, sondern als Teil eines fortlaufenden Prozesses."
Dazu zählen verschiedene Gedenkprojekte in Zusammenarbeit mit dem NS‑Dokumentationszentrum Köln und der Gedenkstätte Bonn, etwa die Verlegung von rund 170 Stolpersteinen des Künstlers Gunter Demnig zur Erinnerung an frühere Kundinnen und Kunden, die zu den Opfern des Nationalsozialismus gehören. Seit Dezember 2014 werden die Stolpersteine von der gemeinnützigen "STIFTUNG – SPUREN – Gunter Demnig" organisatorisch und operativ geführt. Im Zusammenhang mit den Stolperstein‑Verlegungen gibt die Sparkasse zudem Reinigungssets aus, um die Pflege bestehender Steine und das dauerhafte Gedenken an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung im öffentlichen Raum zu unterstützen.
Ebenso beteiligt sich die Sparkasse KölnBonn an Initiativen der demokratischen Erinnerungskultur, etwa durch das Sponsoring der Ausstellung "NIE WIEDER! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen" ab dem 11. Oktober in der Bundeskunsthalle in Bonn. Weitere Aktivitäten sind geplant und werden rechtzeitig bekannt gegeben.
Ein Jubiläumsjahr im Dialog mit der Region
Das Jubiläumsjahr 2026 wird durch zahlreiche Veranstaltungen geprägt – in Filialen, auf öffentlichen Plätzen und in Kooperation mit städtischen und regionalen Partnern. Die Aktivitäten richten sich ausdrücklich ebenso an Kundinnen und Kunden wie an alle Bürgerinnen und Bürger, um Begegnungen zu ermöglichen und gemeinsame Momente zu teilen. Eine aktuelle Übersicht über Events, Termine und Formate im Jubiläumsjahr steht unter www.sparkasse-koelnbonn.de/200 bereit.
Die Publikationen im Überblick:
Beide Bände sind im Greven Verlag erschienen – hochwertig hergestellt, anschaulich bebildert und schlicht: schöne Bücher.
„Geld für alle – 200 Jahre Sparkasse KölnBonn“
Dr. habil. Jörg Lichter zeichnet in seiner wissenschaftlichen Studie die Entwicklung der Sparkassen in Köln und Bonn von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach. Das Buch ordnet die Institutsgeschichte in wirtschafts‑, sozial‑ und zeitgeschichtliche Zusammenhänge ein und analysiert auch die Rolle der Sparkassen im Nationalsozialismus detailliert.
- Leinenband mit Schutzumschlag
- 424 Seiten, 57 Abbildungen
- Greven Verlag, 40 Euro
https://greven-verlag.de/shop/geld-fuer-alle/
"Alle sparen mit – 200 Jahre Sparkasse KölnBonn“
Eliana Berger nähert sich der Geschichte des Instituts aus einer journalistisch‑erzählerischen Perspektive. Fotografien, Zeitzeugnisse und biografische Miniaturen machen das Wechselspiel von Bankgeschichte und Alltagsleben in Köln und Bonn erfahrbar.
- Hardcover mit Farbschnitt
- 144 Seiten, 90 Abbildungen
- Greven Verlag, 18 Euro














