Sie möchten einen Kredit aufnehmen und fragen sich, was es mit dem Sollzins und dem effektiven Jahreszins auf sich hat? Wir zeigen Ihnen, wie sich die beiden Zinsarten unterscheiden und welcher Zinssatz für Sie relevant ist.
Veröffentlicht am 23.12.2025
7 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
Zinsen fallen an, sobald Sie sich Geld von einer Bank, Sparkasse oder einem anderen Kreditgeber leihen. Sie können monatlich oder jährlich gezahlt werden und beziehen sich immer auf den geliehenen Betrag. Denn mit den Zinsen zahlen Sie einfach gesagt einen Ausgleich dafür, dass der Kreditgeber Ihnen eine bestimmte Geldsumme leiht. Es sind also sozusagen die Kosten für die Nutzung von geliehenem Kapital.
Dass Zinsen erhoben werden, hat verschiedene Gründe. Grundsätzlich dienen Zinsen als:
Nehmen Sie einen Kredit auf, bilden die Zinsen also einen zentralen Bestandteil der gesamten Kreditkosten. Sie erfassen allerdings nicht sämtliche Kosten der Finanzierung. Daneben fallen zum Beispiel Bearbeitungsgebühren oder Kontoführungsgebühren, Bereitstellungszinsen oder Kosten für optionale Zusatzleistungen an – und auch diese können die tatsächlichen Finanzierungskosten erhöhen.
Der Sollzins, auch Nominalzins oder Nettodarlehenszins genannt, ist der Zinssatz, der ausschließlich auf den geliehenen Kreditbetrag angewendet wird. Er erfasst also nur die Verzinsung des Darlehens, ohne zusätzliche Gebühren oder weitere Kostenbestandteile, und ist damit der Grundzins auf den geliehenen Kreditbetrag.
Grundsätzlich kann der Sollzins fest vereinbart werden (Sollzinsbindung) oder variabel sein. Ein fester Sollzins ist bei Immobilienkrediten üblich, weil er mehr Planungssicherheit bietet. Ein variabler Sollzins passt sich an die Marktzinsen an. Das ist vorteilhaft bei Zinssenkungen, aber nachteilig, wenn die Zinsen steigen.
Obwohl bei einer konstanten Tilgung der Sollzins für den Kreditbetrag im jeweiligen Kreditvertrag festgelegt wird, ändern sich die tatsächlich anfallenden Zinsen im Zeitverlauf, sobald Sie den Kredit zurückzahlen. Denn mit jeder Tilgung verringert sich die sogenannte Restschuld (also das, was noch übrig ist) – und auf diese Restschuld werden die Zinsen berechnet. Das bedeutet auch: Je schneller Sie den Kredit zurückzahlen, desto geringer sind die insgesamt zu zahlenden Zinsen. Dieser Effekt tritt allerdings nur ein, wenn Sie den Kredit in Raten zurückzahlen. Bei einer einmaligen Rückzahlung am Laufzeitende bleiben die Sollzinsen konstant.
Angenommen, Sie nehmen einen Kredit über 5.000 Euro mit einem Sollzins von fünf Prozent pro Jahr auf und zahlen den Kredit in fünf gleichen Jahresraten mit je 1.000 Euro zurück:
| Restschuld zu Jahresbeginn: | Sollzins (5 %): | Rückzahlung: | Restschuld am Jahresende: |
|---|---|---|---|
| 5.000 € | 250 € | 1.000 € | 4.000 € |
| 4.000 € | 200 € | 1.000 € | 3.000 € |
| 3.000 € | 150 € | 1.000 € | 2.000 € |
| 2.000 € | 100 € | 1.000 € | 1.000 € |
| 1.000 € | 50 € | 1.000 € | 0 € |
Insgesamt fallen auf den geliehenen Betrag 750 Euro Zinsen an, da sich die Restschuld mit jeder Rate reduziert und damit auch die Zinslast sinkt. Würden Sie den Kredit hingegen am Laufzeitende zurückzahlen, würden insgesamt 1.250 Euro Zinsen anfallen (5 Prozent Sollzins x 5.000 Euro x 5 = 1.250 Euro).
Der effektive Jahreszins, auch Effektivzins genannt, ist ein gesetzlich definierter Zinssatz, der die tatsächlichen Kosten eines Kredits für ein Jahr gesehen abbildet. Im Unterschied zum Sollzins berücksichtigt dieser Zins nämlich auch alle wesentlichen Nebenkosten, die im Zusammenhang mit dem Kredit anfallen und gesetzlich einbezogen werden müssen. Dazu gehören:
Mit dem effektiven Jahreszins können Sie Kreditangebote objektiv miteinander vergleichen – unabhängig von der Höhe des Sollzinses sowie der Art der Nebenkosten. Wichtig ist dabei, dass Sie nur Angebote mit einer gleichen Zinsbindungsdauer vergleichen. Damit ist der Zeitraum gemeint, in dem der Zinssatz des Kredits festgeschrieben ist, also gleichbleibt – auch wenn die Marktzinsen steigen oder fallen.
Obwohl der effektive Jahreszins die wesentlichen Kreditkosten berücksichtigt, gibt es bestimmte Ausgaben, die er in der Regel nicht abbildet. Denn nur wenn die Kosten gesetzlich vorgeschrieben und im Kreditvertrag festgehalten sind, werden sie im effektiven Jahreszins berücksichtigt. Alles, was nicht zwingend zur Kreditaufnahme gehört, ist daher in der Regel nicht enthalten. Dazu gehören:
Der effektive Jahreszins bietet Ihnen also vor allem einen guten Überblick über die gesetzlich relevanten Kreditkosten. Um die tatsächliche finanzielle Belastung einzuschätzen, sollten Sie die Kosten allerdings auch immer individuell prüfen – und so auch die nicht enthaltenen Ausgaben berücksichtigen.
Auch wenn der effektive Jahreszins gesetzlich definiert ist, variiert die Höhe je nach Kreditart oder besser gesagt, je nachdem, welche Kosten enthalten sind. Häufig – aber nicht immer – gilt: Je komplexer die Finanzierung und länger die Laufzeit, desto mehr zusätzliche Kosten fließen ein. Dadurch kann sich auch der Unterschied zwischen Sollzins und effektivem Jahreszins vergrößern. In manchen Fällen kann sich eine lange Kreditlaufzeit aber auch positiv auf die Gebühren auswirken – wenn zum Beispiel keine Bereitstellungszinsen anfallen.
| Merkmal: | Sollzins: | Effektiver Jahreszins: |
|---|---|---|
| Definition | Gibt an, wie hoch die Verzinsung des geliehenen Kapitals pro Jahr ausfällt (= Grundkosten des Kredits) | Gibt die gesamten gesetzlich definierten Kreditkosten pro Jahr an (= Gesamtkosten des Kredits) |
| Nebenkosten | Nicht berücksichtigt | Berücksichtigt, sofern gesetzlich vorgeschrieben |
| Transparenz | Macht einen Teil der Kosten sichtbar | Bietet eine umfassende Kostenübersicht |
| Vergleichsmöglichkeit für Kreditangebote | Bedingt geeignet | Optimal |
Angenommen, Sie nehmen einen Ratenkredit mit folgenden Konditionen auf:
Ihre Kosten lägen dann bei:
Aus dem Sollzins allein wären die erhöhten Kreditkosten nicht sichtbar. Erst durch die Berechnung des effektiven Jahreszinses zeigt sich, dass sich die anfallende Bearbeitungsgebühr auf die Höhe der Gesamtkosten auswirkt.
Angenommen, Sie nehmen eine langfristige Finanzierung, zum Beispiel einen Immobilienkredit mit folgenden Konditionen auf:
Über einen Zeitraum von zehn Jahren entstehen folgende Kosten:
Durch die zusätzlichen Nebenkosten erhöht sich der effektive Jahreszins auf circa 3,9 Prozent pro Jahr. Auch wenn der Sollzins mit 3,5 Prozent allein zunächst niedrig erscheint, steigen die Kosten durch die zusätzlichen Gebühren.
Während der Sollzins nur den Grundzins, also die Verzinsung der Darlehenssumme angibt, zeigt der effektive Jahreszins, was die Finanzierung tatsächlich kostet. Möchten Sie also verschiedene Kreditangebote miteinander vergleichen, ist der effektive Jahreszins die relevante Kennzahl.
Doch auch wenn der effektive Jahreszins alle wesentlichen (gesetzlich vorgeschriebenen und vertraglich verpflichtenden) Nebenkosten berücksichtigt, ersetzt er keine individuelle Prüfung der Gesamtkosten. Denn zusätzliche Kosten (z. B. für Versicherungen), die nicht gesetzlich festgelegt sind, können die Finanzierungskosten erhöhen. Es lohnt sich daher, die Kosten auch noch einmal individuell zu berechnen. Falls Sie sich dabei unsicher sind, lassen Sie sich am besten beraten.
Das könnte Sie auch interessieren
Wir, als Ihre Sparkasse, verwenden Cookies, die unbedingt erforderlich sind, um Ihnen unsere Website zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie Ihre Zustimmung erteilen, verwenden wir zusätzliche Cookies, um zum Zwecke der Statistik (z.B. Reichweitenmessung) und des Marketings (wie z.B. Anzeige personalisierter Inhalte) Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website zu verarbeiten. Hierzu erhalten wir teilweise von Google weitere Daten. Weiterhin ordnen wir Besucher über Cookies bestimmten Zielgruppen zu und übermitteln diese für Werbekampagnen an Google. Detaillierte Informationen zu diesen Cookies finden Sie in unserer Erklärung zum Datenschutz. Ihre Zustimmung ist freiwillig und für die Nutzung der Website nicht notwendig. Durch Klick auf „Einstellungen anpassen“, können Sie im Einzelnen bestimmen, welche zusätzlichen Cookies wir auf der Grundlage Ihrer Zustimmung verwenden dürfen. Sie können auch allen zusätzlichen Cookies gleichzeitig zustimmen, indem Sie auf “Zustimmen“ klicken. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit über den Link „Cookie-Einstellungen anpassen“ unten auf jeder Seite widerrufen oder Ihre Cookie-Einstellungen dort ändern. Klicken Sie auf „Ablehnen“, werden keine zusätzlichen Cookies gesetzt.