„Reduktion muss keine Einschränkung sein“, meint Tischlermeister Michael Heller. Er betreibt in Köln eine Manufaktur, die so genannte Tiny Houses, also Mini- bzw. Modulhäuser, herstellt. Ein Wohnkonzept mit Zukunft?
Veröffentlicht am 12.02.2020
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Minihaus, Modulhaus oder Tiny House: Darunter versteht man kleine Häuser, die vorgefertigt und auf einem Transporter mit dem Auto angeliefert werden. Bilder fahrender Häuser hat man möglicherweise schon in Berichten über die USA gesehen. Jetzt nimmt dieser Trend auch in Deutschland zu. Tiny Houses, also winzige Häuser, in denen neben einem Wohnbereich auch eine Küche, ein Bad und ein Schlafbereich enthalten sind, gibt es sowohl als Unterkunft auf Zeit als auch als dauerhafte Wohnalternative. meinKölnBonn hat sich mit dem Kölner Tischlermeister Michael Heller unterhalten, der die Minihäuser in seiner Manufaktur herstellt
Der Auslöser war ein Buch über diese kleinen Häuser. Als Tischlermeister schlug mein Herz sofort höher, als ich sah, dass man eben nicht nur Möbel herstellen, sondern auch ganze Häuser tischlern kann.
Maximal 2,55 Meter breit und vier Meter hoch, denn wir müssen die Straßenverkehrsordnung einhalten, wenn wir die Häuser transportieren. Der Besitzer hat so ungefähr 20 bis 22 Quadratmeter Platz – inklusive Küche und Bad. Durch die Höhe von vier Metern ist es möglich, in der zweiten Ebene einen Schlafbereich zu gestalten. Bei der Länge sind höchstens 7,20 Meter bei uns möglich, weil wir das zulässige Höchstgewicht für die Anhänger beachten müssen. Das sind maximal 3,5 Tonnen.
Genau. Grundsätzlich könnte ein Tiny House auch leichter beziehungsweise entsprechend größer sein. Allerdings bauen wir komplett mit ökologischen Materialien, also überwiegend Holz. Und Holz hat ein Gewicht.
Der Fachbegriff ist Holzrahmenbauhaus. Das heißt, wir bauen ein Skelett aus Holz, wir dämmen beispielsweise mit Schafs- oder Holzwolle und nehmen für die Fassade Zedernholz, Douglasien oder Lärche. Auf der Innenseite verkleiden wir üblicherweise mit Fichtenholz. Und die Oberflächen wachsen wir mit Ölen. Das Dach besteht aus Aluminiumblech.
Wir brauchen etwa sechs bis acht Wochen pro Haus. Derzeit haben wir aber eine Wartezeit von sechs bis acht Monaten. Ich stelle fest, dass es zunehmend Leute gibt, die nicht „nur mal schauen“ wollen, sondern die sich das Leben im Tiny House ganz konkret vorstellen können. Wenn die Nachfrage so bleibt, gehe ich davon aus, dass wir künftig im Jahr zehn bis zwölf Häuser bauen werden.
Nein, überhaupt nicht. Bei uns kann sich der Kunde zu 100 Prozent einbringen. Wir entwickeln zusammen das Projekt und bringen unsere Erfahrung ein. Dazu gehört zum Beispiel, dass man bei einem Pultdach, einer Dachform aus nur einer geneigten Dachfläche, die größte Raumnutzung hat. Letztlich kommt es aber auch darauf an, ob man ein Ferienhaus will oder ein Büro, eine Jagdhütte – oder eben einen richtigen Wohnsitz.
Sie können natürlich die Biedermeierkommode von der Oma reinstellen. Aber das wird nicht sinnvoll sein, weil sie einfach viel Platz braucht. Ich bin bei dieser Antwort als Tischler letztlich nicht objektiv. Aber ich sag‘s mal so: Wenn wir auch die Möbel bauen, dann passt es ganz sicher.
Ungefähr zwischen 55.000 und 75.000 Euro.
Das ist tatsächlich der schwierigste Punkt, zumindest wenn man dauerhaft an einem Ort bleiben möchte. Dann braucht man nämlich ein Grundstück und natürlich auch eine Baugenehmigung. Baurecht ist allerdings Ländersache. Mein Rat für Interessierte: Bei uns zuerst ein Tiny House anschauen und vielleicht auch einmal Probe wohnen. Dann zur Gemeinde gehen und fragen, wo es Grundstücke gibt.
Hier können Sie einen Blick in die Landesbauordnung für Nordrhein-Westfalen werfen.
In erster Linie sind es Leute, die sich auf das Wesentliche beschränken wollen, denn in einem Tiny House ist natürlich nicht so viel Platz, wie man das von anderen Immobilien gewohnt ist. Diese Reduktion muss jedoch keine Einschränkung sein. Vielmehr ist sie für viele Menschen auch mit größtmöglicher Freiheit verbunden, weil man so viel mobiler sein kann. Und wenn man sogar sein Haus mitnehmen kann, ist das natürlich perfekt. Ein Minihaus bietet sich beispielsweise an, wenn man beruflich häufig den Standort wechselt. Oder wenn man im Ruhestand mehr von der Welt erleben will. Und grundsätzlich für alle, die gerne draußen sind, denn durch die Größe kann man eben nicht alles im Tiny House machen.
Es sind seltener Paare, was kein Wunder ist: Zu zweit kann es im Tiny House eng werden. Sehr oft sind es Frauen zwischen Ende 40 und Anfang 50. Das mag auch damit zusammenhängen, dass sich jüngere Menschen ein Tiny House nicht unbedingt leisten können, weil sie noch nicht genügend Geld angespart haben.
Sagen wir mal so: Strom und Heizung sollten Sie schon haben, wenn das Tiny House als Dauerwohnsitz gedacht ist. Sonst wird’s schnell ungemütlich. Und das will eigentlich keiner. Sie können eine Photovoltaikanlage montieren, aber es fehlt oft die Sonne in Deutschland. Wenn sie das Haus als festen Wohnsitz nutzen, dann brauchen Sie auch Wasser- und Abwasseranschluss. Schließlich muss Wasser, das aus dem Hahn kommt, in Deutschland Trinkwasserqualität haben. Mit einer Regenwassertonne ist es also nicht getan. Es gibt allerdings auch Ausnahmeregelungen, und wenn das Tiny House auf Rädern steht und nur temporär genutzt wird, gelten sowieso andere Regeln.
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