Mit Growth Investing investieren Sie Ihr Geld in gute Ideen und noch wachsende Unternehmen. Und das bringt viele Chancen, aber auch Risiken mit sich. Wir zeigen Ihnen, wie der Einstieg am besten gelingen kann – und wie Sie erkennen, ob es sich um einen Hype oder um echtes Potenzial handelt.
Veröffentlicht am 02.06.2026
9 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
Beim Growth Investing setzen Sie auf die Unternehmen, bei denen erst in der Zukunft starke Umsätze beziehungsweise Gewinne zu erwarten sind. Das sind zum Beispiel Unternehmen aus den Bereichen Cloud‑Computing, Biotechnologie oder erneuerbare Energien. Dabei spielt es weniger eine Rolle, welche Marktposition das jeweilige Unternehmen heute einnimmt oder wie solide es finanziell dasteht, vielmehr geht es darum, wo das Unternehmen in Zukunft wahrscheinlich stehen wird.
Anders als beim klassischen Investment – bei dem Sie in der Regel etablierte Strategien anwenden und in Anlagen mit Wert investieren – investieren Sie beim Growth Investing in die Qualität einer Idee und nicht in den aktuellen Status quo. Dadurch ist Growth Investing spekulativer und riskanter.
An der Börse gibt es kein pauschales „Richtig“ oder „Falsch“. Denn entscheidend sind Ihre Anlagementalität und Ihr Anlageziel.
Investorinnen und Investoren, die auf Value setzen, suchen Unternehmen, die an der Börse aktuell unterbewertet scheinen. Interessant sind Firmen mit guter Marktposition und konstanten Cashflows. Statt auf Potenziale setzen Sie hierbei auf bewährte Strukturen und mehr Planbarkeit. Sie investieren in bewährte Geschäftsmodelle – also wertorientierte Anlagen. Das Ziel sind regelmäßige Dividenden (Gewinnausschüttungen) und keine hohen Kurssprünge.
Die Value-Strategie eignet sich daher für Anlegerinnen und Anleger, die auf Sicherheit bedacht sind – ihr Geld aber trotzdem am Aktienmarkt investieren möchten.
Bei der Wachstumsstrategie liegt der Fokus weniger auf dem aktuellen Status quo eines Unternehmens, sondern auf dessen zukünftigem Potenzial. Interessant sind daher Unternehmen, die sich in einem frühen Entwicklungsstadium befinden oder in Branchen tätig sind, die kurz vor einem Boom stehen. Da das gesamte Kapital in die Expansion fließt, ist die Dividendenrendite hier oft gleich Null.
Die Growth-Strategie ist damit für Anlegerinnen und Anleger geeignet, die bereit sind, vorerst auf höhere Ausschüttungen zu verzichten, um langfristig von starkem Kurswachstum zu profitieren. Langfristig bedeutet dabei 10 bis 15 Jahre. Genauso wichtig ist es, dass Anlegerinnen und Anleger bei Kursschwankungen ruhig bleiben können. Denn bei wachsenden Unternehmen kann es immer wieder zu stärkeren Schwankungen kommen.
| Merkmal: | Value-Strategie: | Growth-Strategie: |
|---|---|---|
| Wachstum | Moderat, unter dem Durchschnitt | Hoch, über dem Durchschnitt |
| Geschäftsmodell | Bewährt und solide | Innovativ und zukunftsorientiert |
| Gewinnverwendung | Teilweise hohe Dividenden an Anlegerinnen und Anleger | Meist komplette Reinvestition in das Unternehmen |
| Renditequelle | Regelmäßige Erträge | Erwartete Kurssteigerungen |
| Kursschwankungen | Meist stabil | Teilweise sehr hoch |
| Bepreisung | Oft günstig oder „fair“ bepreist | Meist teurer, da die Zukunft sozusagen mitbezahlt wird |
| Risikoprofil | Moderat, da der Fokus auf Beständigkeit liegt. Marktrisiken (u. a. Schwankungen) bleiben aber bestehen. | Eher hoch, da das Investment auf Prognosen basiert |
In der Praxis empfiehlt sich meist eine ausgewogene Mischung aus beiden Strategien, wobei Sie den konkreten Anteil der Growth- bzw. Value-Anlagen am besten immer an Ihre persönliche Risikotoleranz, Ihren Anlagehorizont und Ihre finanziellen Ziele anpassen.
Für Einsteigerinnen und Einsteiger kann zum Beispiel ein Portfolio mit etwa 70 Prozent aus solide aufgestellten Unternehmen (Value) und 30 Prozent aus wachstumsorientierten Unternehmen (Growth) sinnvoll sein.
Für den Aktienmarkt brauchen Sie kein Vermögen. Auch mit kleinen Beträgen können Sie schon jetzt starten. Entscheidend sind eher die Regelmäßigkeit und ein durchdachter Plan.
Angenommen, Sie legen über 20 Jahre hinweg monatlich 50 Euro in einen wachstumsorientierten Sparplan an. Bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von 8 Prozent* hieße dies:
Der entscheidende Hebel ist die Anlagedauer. Denn je länger Sie investieren, desto stärker wirkt der Zinseszins.
*Alle Anlagen an den Kapitalmärkten bergen das Risiko von Kursverlusten. Die historische Durchschnittsrendite von 8 Prozent dient lediglich als Veranschaulichung und kann in einzelnen Jahren deutlich abweichen. Ergebnisse der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Grundsätzlich haben Sie die Wahl zwischen Einzelaktien und ETFs. Während Einzelaktien meist eher für erfahrene Anlegerinnen und Anleger sinnvoll sind, sind Growth-ETFs oft die bessere Wahl für Einsteigerinnen und Einsteiger. Unabhängig davon, ob Sie in einen ETF oder in Einzelaktien investieren, geht es beim Growth Investing darum, Unternehmen mit echtem Potenzial zu finden. Und genau dabei helfen ein paar grundlegende Kennzahlen. Mit ihnen können Sie Wachstumsstars von bloßen Hypes unterscheiden – und zumindest grob das Potenzial des Unternehmens einschätzen.
Mit Aktien investieren Sie in einzelne Wachstumsunternehmen. Wenn Sie die richtige Aktie wählen, haben Sie die Chance auf überdurchschnittliche Gewinne. Andersrum kann die falsche Wahl Ihr Portfolio schmälern. Das Investieren in einzelne Aktien setzt deshalb eine umfassende Unternehmensanalyse voraus und eignet sich somit eher für erfahrenere Anlegerinnen und Anleger.
Wachstums-ETFs (Exchange Traded Funds) bündeln hingegen viele Wachstumswerte in einem Fonds und bieten so eine breite Streuung mit wenig Aufwand. Bekannte Beispiele sind Indizes wie der MSCI World Growth oder der Nasdaq-100, der viele der größten Technologieunternehmen der Welt abbildet. Der Vorteil von Wachstums-ETFs: Sie profitieren vom Wachstumstrend ganzer Branchen und müssen sich nicht mit einzelnen Unternehmen auseinandersetzen. ETF-Sparpläne sind daheroft der beste Start für Einsteigerinnen und Einsteiger
Welcher Weg der richtige für Sie ist, hängt von Ihrer Zeit, Erfahrung und Risikobereitschaft ab. Viele Anlegerinnen und Anleger kombinieren beides: eine solide ETF-Basis als Fundament und einzelne Wachstumstitel als gezielten Rendite-Booster.
Mit folgenden Kennzahlen können Sie besser einschätzen, ob es sich um ein echtes Wachstumsunternehmen – oder eher um einen Hype – handelt.
Das KGV dient als erste Orientierung. Es setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie. Vereinfacht gesagt zeigt es, wie viele Jahresgewinne pro Aktie nötig wären, um den aktuellen Kurs zu decken.
Bei Growth-Aktien ist das KGV oft sehr hoch (oft über 40 oder 50). Das liegt daran, dass Anlegerinnen und Anleger bereit sind, heute viel zu bezahlen, weil sie für die Zukunft massiv steigende Gewinne erwarten. Ein hohes KGV sollte daher immer im Kontext betrachtet werden.
Ein sehr hohes KGV (> 100) weist allerdings häufig auf überhöhte Erwartungen hin.
Das PEG Ratio bringt Wachstum und Preis in Einklang. Es setzt das KGV also ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum. Idealerweise basiert das erwartete Gewinnwachstum auf langfristigen Prognosen.
Eine PEG Ratio von 1 gilt als „fair“ bewertet. Liegt der Wert deutlich darunter, könnte die Aktie ein Schnäppchen sein. Liegt er weit darüber, wird das erwartete Wachstum möglicherweise zu teuer angeboten. Über die PEG Ratio können Sie also ermitteln, ob das Wachstum zu einem akzeptablen Preis angeboten wird – auch „Growth at a Reasonable Price“ (GARP) genannt.
Good to know: Bei Unternehmen mit stark schwankenden Gewinnen kann es schwierig sein, das Gewinnwachstum vorauszusagen. Die PEG Ratio ist dann oft weniger aussagekräftig.
Neben den Preis-Kennzahlen gibt es noch weitere Werte, die Ihnen verraten, wie gesund ein Wachstumsunternehmen wirklich ist:
Umsatzwachstum (3 Jahre): Schauen Sie am besten nicht nur auf ein einzelnes Jahr. Denn ein echtes Growth-Unternehmen sollte über mehrere Jahre hinweg zeigen, dass es die Erlöse kontinuierlich steigern kann.
Bruttomarge (Gross Margin): Diese Zahl verrät Ihnen, wie viel vom Umsatz nach Abzug der direkten Herstellungskosten übrig bleibt. Eine hohe Marge (z. B. bei Software-Firmen) zeigt, dass das Unternehmen sehr effizient arbeitet und Spielraum für künftige Gewinne hat.
Verschuldungsgrad: In Zeiten steigender Zinsen sollten Wachstumsfirmen nicht auf einem zu hohen Schuldenberg sitzen. Daher gilt: Je geringer die Verschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital ist, desto krisenfester ist das Unternehmen auf seinem Expansionskurs. Ein zu niedriger Verschuldungsgrad ist allerdings nicht per se besser. Denn wenn der Verschuldungsgrad in der Anfangszeit extrem niedrig ist, kann das auf fehlende Wachstums Finanzierung hindeuten – und genau die ist meist wichtig, um zukünftig Gewinne zu erwirtschaften.
Growth Investing ist weit mehr als nur das Spekulieren auf den nächsten großen Trend: Es ist eine strategische Entscheidung, Innovationen zu fördern und langfristig von Wertsteigerungen zu profitieren.
Haben Sie noch einen langen Anlagehorizont vor sich und sind bereit, vorerst auf Dividenden zu verzichten, können Growth-Anlagen sinnvoll für Sie sein – allerdings nur, wenn Sie wissen, dass Sie Kursschwankungen in Ruhe aushalten können. Denn die sind bei wachstumsorientierten Unternehmen keine Seltenheit. Um nicht alles auf eine Karte zu setzen, ist oft eine Mischung aus wertorientierten und spekulativen Anlagen sinnvoll, also ein Mix aus Growth- und Value-Anlagen. So setzen Sie auf Stabilität, nutzen aber auch die Chance auf hohe Kurssteigerungen.
Wenn Sie gerade noch am Anfang stehen, ist der erste Schritt ein eigenes Depot. Haben Sie eins eröffnet, starten Sie am besten mit Sparplänen, um Ihr Kapital Schritt für Schritt wachsen zu lassen, und investieren Ihr Geld in ETFs – also breit gestreute Fonds. Und falls Sie dabei Unterstützung benötigen, sind die Beraterinnen und Berater der Sparkasse KölnBonn mit einer individuellen Beratung gern für Sie da.
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