Bulle und Bär – die beiden Tiere stehen als Symbol für das stetige Auf und Ab an den Finanzmärkten. Anlegerinnen und Anleger sollten wissen, für welche Marktphasen sie jeweils stehen und welche Chancen und Risiken daraus entstehen.
Veröffentlicht am 30.09.2025
10 Min. Lesezeit
Dass die Kurse an einem Tag zwei oder drei Prozent sinken, ist an den Finanzmärkten nichts Ungewöhnliches. Von einem Bärenmarkt spricht man jedoch, wenn die Notierungen über Monate oder gar Jahre hinweg nach unten tendieren. Typischerweise geben sie in dieser Zeit 20 Prozent oder mehr gegenüber dem vorangegangenen Hoch nach. Nicht selten entstehen Bärenmärke als Überreaktion auf eine Phase übertriebener Kurssteigerungen. Ein häufig vergleichsweise unbedeutender Anlass reicht am Anfang, um eine Verkaufswelle loszutreten. In der Folge kommt es oftmals zu einem Crash.
Ein Bärenmarkt verläuft in der Regel nicht gleichförmig. Die Erfahrung zeigt aber, dass es typischerweise verschiedene Phasen und Merkmale gibt. Nach einer längeren Phase steigender Kurse entstehen erste Zweifel, ob es weiter bergauf gehen könnte. Es kommt zu ersten Kursrückgängen, die zunächst als normale Korrekturen wahrgenommen werden. Doch die Verluste verstärken sich, weil immer mehr Anlegerinnen und Anleger das Vertrauen verlieren. Schließlich kommt es zum Ausverkauf. Aus kurzfristig starken Schwankungen heraus entsteht eine nachhaltige Abwärtsbewegung, weil Investorinnen und Investoren ihr Kapital endgültig abziehen. An der Börse wird das auch als Baisse bezeichnet. Erst wenn die Verkäufe abnehmen und Schnäppchenkäuferinnen und -käufer einsteigen, stabilisieren sich die Kurse langsam.
Welche Faktoren führen dazu, dass es zu einer längeren Phase an den Märkten kommt, in der die Kurse unten bleiben? Börsenhistorisch lässt sich beobachten, dass es meist eine Kombination aus mehreren Ursachen ist. Die wichtigsten Merkmale sind:
Bärenmärkte sind also – ebenso wie Bullenmärkte – kein Zufallsphänomen. Sie entstehen häufig aus dem komplexen Zusammenspiel mehrerer nachhaltiger wirtschaftlicher Trends und Entwicklungen.
Das hängt davon ab, wie ausgeprägt und anhaltend die Faktoren sind, die den Bärenmarkt treiben. Statistisch gesehen dauert ein Bärenmarkt im Durchschnitt zwischen neun und achtzehn Monaten. Er kann jedoch auch deutlich länger reichen, wenn sich Konjunkturschwäche hinzieht oder strukturelle Defizite in einer Volkswirtschaft bestehen. Zum Beispiel kam es nach dem Schwarzen Freitag 1929 in den USA zu einer lang anhaltenden wirtschaftlichen Depression. Wirklich erholt haben sich die Börsen davon erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Von einem Bullenmarkt spricht man, wenn die Kurse über einen langen Zeitraum hinweg steigen. Dass sich die Werte im Zuge dieser Aufwärtsbewegung verdoppeln oder gar verdreifachen, ist keine Seltenheit. Nach Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 zum Beispiel stand der deutsche Aktienindex Dax bei rund 10.000 Punkten. Fünf Jahre später war er nahe dran, die Marke von 25.000 Punkten zu überspringen. Ganz allgemein werden lange Aufschwungphasen an der Börse auch als Hausse bezeichnet.
Was typisch ist für einen Bullenmarkt: Die Stimmung an den Märkten ist allgemein positiv. Anlegerinnen und Anleger sind zunehmend optimistisch – zum Beispiel, weil die Notenbanken die Leitzinsen senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Sie vertrauen mehr und mehr darauf, dass daraus ein breiter Konjunkturaufschwung erwächst mit der Aussicht, dass die Unternehmensgewinne steigen. Daher investieren sie immer mehr Geld in Aktien.
Der Bullenmarkt ist anfangs oft begleitet von Zurückhaltung und Skepsis. Erst wenn der Strom guter Nachrichten aus der Wirtschaft anhält, wächst langsam das Vertrauen und die Investitionsbereitschaft nimmt zu. Die Kurse steigen peu à peu. Mit besseren Wirtschaftsdaten und steigenden Unternehmensgewinnen verstärkt sich die Dynamik. Zunehmend höhere Erwartungen treiben die Kurse nach oben. Häufig werden jedoch auch Risiken unterschätzt und Belastungsfaktoren ausgeblendet. Es herrscht eine Mischung aus Sorglosigkeit, Übermut und Gier vor, die dem Bärenmarkt den Weg ebnet.
Ebenso wie beim Bärenmarkt ist das wirtschaftliche Umfeld die treibende Kraft dafür, dass eine optimistische Grundstimmung unter Anlegerinnen und Anlegern entsteht – und dann auch anhält, so dass die Kurse steigen. Diese Faktoren stehen im Fokus:
Viele dieser Faktoren wie etwa technologische Innovationen wirken nachhaltig und führen damit zu einer langanhaltenden Aufwärtsbewegung, die typisch ist für den Bullenmarkt.
Auch hier gilt die Antwort: Das hängt davon ab – zum Beispiel davon, wie lange die Notenbanken die Zinsen senken oder eine Innovation auf das Wirtschaftswachstum wirkt. Allerdings: Bullenmärkte haben erfahrungsgemäß ein deutlich längeres Leben als Bärenmärkte. Oft dauert das Auf der Kurse fünf bis zehn Jahre an. Sehr langfristig gesehen lässt sich die gesamte Zeit seit den 1950ger-Jahren als Bullenmarkt verstehen. Denn trotz zwischenzeitlicher Crashs und ausgeprägter Kursrückgänge tendieren die Aktiennotierungen seit dieser Zeit stetig bergauf.
Warum Bulle und Bär?
Die Börsensprache ist voll von Metaphern. Bulle und Bär gehören zu den bekanntesten. Sie stehen als Symbol für das stetige Auf und Ab der Kurse an den Finanzmärkten. Vor der Frankfurter Börse stehen sie sogar in Bronze gegossen etwa lebensgroß. Doch warum gerade Bulle und Bär? Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungen. Eine ist diese: Der Bär schlägt – bildlich gesehen – mit seiner Pranke die Kurse nieder und hält sie unten. Der Bulle dagegen stürmt vorwärts und treibt auf seinem Weg mit den Hörnern voran die Notierungen nach oben.
Bärenmarkt und Bullenmarkt sind also zwei gegensätzliche Phasen an den Finanzmärkten. Während der eine durch Unsicherheit und Belastungen geprägt ist, steht der andere für Optimismus und Investitionsbereitschaft. Wer die charakteristischen Merkmale und Unterschiede der jeweiligen Börsenphase kennt, kann die eigene Anlagestrategie daran anpassen.
| Aspekt | Bärenmarkt | Bullenmarkt |
|---|---|---|
| Handelsvolumen | Häufig sinkend, da Anlegerinnen und Anleger zurückhaltend agieren | Tendenziell steigend, da immer mehr Investorinnen und Investoren in den Markt einsteigen |
| Kursschwankungen | Gerade zu Beginn – etwa bei einem Crash – meist sehr hoch, weil durch Unsicherheit und Angst kein klarer Trend erkennbar ist | Abgesehen von einzelnen starken Tagen vergleichsweise niedrig bis mittel |
| Liquidität | Teilweise eingeschränkt oder nicht vorhanden, weil auf der anderen Seite kein oder nur wenig Kaufinteresse besteht | Hoch, da viele Anlegerinnen und Anleger investieren |
| Inflation | Meist im Abwärtstrend, weil die Notenbanken in der vorangegangen Aufschwungphase warten sie ab | Am Anfang vergleichsweise niedrig bis moderat, wenn die Wirtschaft boomt oder etwa eine Energiekrise für einen Preisschock sorgt, stark steigend |
Vor allem im Bärenmarkt entstehen Chancen, zu günstigen Kursen einzusteigen. Somit haben Sie die Gelegenheit, um in solide Aktien, marktbreite Fonds oder ETFs zu investieren, die deutlich günstiger zu haben sind als noch Wochen oder Monaten davor. Damit bieten sich Ihnen langfristig gesehen gute Chancen, von steigenden Kursen in einer späteren Erholungsphase zu profitieren. Wer regelmäßig Teilbeträge investiert, zum Beispiel im Rahmen von Sparplänen, profitiert zudem davon, dass man in einzelne Papiere zu einen oftmals günstigen Durchschnittskurs investiert.
Im Bullenmarkt gilt es, generell dabei zu sein und den Aufwärtstrend mitzumachen. Besonders aussichtsreich in Hausse-Phasen sind erfahrungsgemäß wachstumsstarke Branchen und innovative Unternehmen, die ihren Markt dominieren. Ein Beispiel dafür sind die großen US-Technologiekonzerne in den USA. Grundsätzlich sollten Sie jedoch gerade bei Aktieninvestments auf eine langfristige Strategie setzen – und mit Blick über einen aktuellen Bullenmarkt hinaus investieren.
Wo Bärenmarkt und Bullenmarkt Chancen bieten, gibt es auf der anderen Seite aber auch Risiken, die Sie beachten sollten:
Was ist eine Bärenmarktrallye?
Bärenmärkte verlaufen ebenso wie Bullenmärkte nicht linear. Immer wieder ist zu beobachten, dass es in einem Bärenmarkt zwischendurch mehr oder weniger ausgeprägte Erholungsphasen gibt. Gerade bei unerfahrenen Anlegerinnen und Anlegern weckt das häufig die Hoffnung, der Bärenmarkt sei vorbei. Sie setzen auf eine Erholung, steigen ein – und werden dann meist enttäuscht. Denn es zeigt sich: Der zaghafte Aufschwung ist nicht von Dauer. Es ist eine Zwischenerholung, die nichts am übergeordneten Abwärtstrend ändert. Deshalb werden diese vermeintlich verlockenden Einstiegsgelegenheiten auch als Bärenmarktrallye oder Bullenfalle bezeichnet.
Nutzen Sie eine Anlagestrategie, die langfristig funktioniert. Ihr eigener Investmentansatz sollte idealerweise über einen Börsenzyklus hinausreichen. Was passende Bausteine dafür sind:
Bärenmarkt und Bullenmarkt sind fester Bestandteil des Geschehens an den Finanzmärkten und bilden zusammen das zyklische Auf und Ab an den Börsen. Beide Phasen halten Chancen wie auch Risiken bereit. Wer die Dynamik beider Marktphasen kennt, kann zwar seine Anlageentscheidungen fundierter treffen. Viel entscheidender – und am Ende oftmals auch erfolgreicher – ist es, einer systematischen Anlagestrategie zu folgen, die langfristig ausgerichtet ist und mit Geduld und Disziplin verfolgt wird. Bulle und Bär, die beiden Wappentiere der Börse, sollten dafür nur als Paten stehen.
Das könnte Sie auch interessieren
Wir, als Ihre Sparkasse, verwenden Cookies, die unbedingt erforderlich sind, um Ihnen unsere Website zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie Ihre Zustimmung erteilen, verwenden wir zusätzliche Cookies, um zum Zwecke der Statistik (z.B. Reichweitenmessung) und des Marketings (wie z.B. Anzeige personalisierter Inhalte) Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website zu verarbeiten. Hierzu erhalten wir teilweise von Google weitere Daten. Weiterhin ordnen wir Besucher über Cookies bestimmten Zielgruppen zu und übermitteln diese für Werbekampagnen an Google. Detaillierte Informationen zu diesen Cookies finden Sie in unserer Erklärung zum Datenschutz. Ihre Zustimmung ist freiwillig und für die Nutzung der Website nicht notwendig. Durch Klick auf „Einstellungen anpassen“, können Sie im Einzelnen bestimmen, welche zusätzlichen Cookies wir auf der Grundlage Ihrer Zustimmung verwenden dürfen. Sie können auch allen zusätzlichen Cookies gleichzeitig zustimmen, indem Sie auf “Zustimmen“ klicken. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit über den Link „Cookie-Einstellungen anpassen“ unten auf jeder Seite widerrufen oder Ihre Cookie-Einstellungen dort ändern. Klicken Sie auf „Ablehnen“, werden keine zusätzlichen Cookies gesetzt.